Farbtemperatur & Binning bei LED-Streifen

Wichtige Kennwerte bei LED-Streifen sind die Farbtemperatur und auch die Binning-Toleranz. Beide Begriffe sind bei sämtlichen LED-Streifen von Interesse, die mit weißen LEDs arbeiten. Also rein weiße LED-Streifen und Tuneable White LED-Streifen, aber auch bei RGBW und RGB+CCT LED-Band. Die Binning-Toleranz ist zusätzlich auch bei rein farbigen LED-Streifen wichtig.

Was genau beschreiben die beiden Kennwerte und was verbindet sie?


INHALT:


Was bedeutet Farbtemperatur?

Mit der Farbtemperatur ist es möglich, weißes Licht genauer zu beschreiben. Sehr viele Lichtarten werden im Alltag als eine Art „weißes Licht“ angesehen. Das Licht von Glühlampen, von Energiesparlampen, von vielen LEDs natürlich, aber auch das diffuse Tageslicht oder das Licht der Sonne. Keiner würde diese Lichtarten als „farbiges Licht“ bezeichnen. Sie sind alle auf eine Art „weiß“, aber dennoch auch verschieden.

Über die Farbtemperatur können diese weißen Lichtarten nun unterteilt werden.

Die Einheit, die hierfür genutzt wird ist Kelvin oder kurz K. Typische Arten von weißem Licht liegen ungefähr zwischen 1.500 und 10.000 Kelvin. Je niedriger der Wert ist, desto wärmer oder rötlicher erscheint die Lichtquelle. Je höher der Wert ist, desto kühler oder bläulicher nehmen wir sie wahr.

Hier einige Beispiele:

  • 1.500K: Kerzenlicht, Feuer, stark gedimmte Glühlampe
  • 2.000K: Untergehende Sonne, gedimmte Glühlampe
  • 2.900K: Glühlampen bei voller Helligkeit
  • 4.000K: Typische Bürobeleuchtung, bewölkter Himmel
  • 5.500K: Direktes Sonnenlicht
  • 8.000K: Blauer Himmel (Werte bis 20.000K möglich)

Warum werden Farbtemperaturen mit Kelvin bewertet?

Kelvin ist eine bekannte Angabe für eine Temperatur. So entsprichst die niedrigste mögliche Temperatur von -273°C z.B. genau 0 Kelvin.

Die Farbtemperaturangaben bei weißem Licht basieren auf einem sogenannten „Schwarzen Strahler„, den man immer weiter erhitzt. Am besten kann man sich hier eine klassische Glühlampe an einem Dimmer vorstellen. Bei ganz kleiner Dimm-Stellung, erhält die Glühwendel nur wenig Leistung. Sie erwärmt sich bereits (auf z.B. 1.500 Kelvin), leuchtet aber nur schwach und sehr rötlich.

Führt man der Glühwendel mehr Leistung hinzu, wird diese weiter erhitzt und dabei heller sowie weniger rötlich. Bei voller Nenn-Leistung erreicht die Glühlampe dann ca. 3.000K und erscheint viel weniger rötlich als zu Beginn. Man könnte der Wendel noch mehr Leistung zuführen, dabei würde Sie weiter an Helligkeit und Temperatur gewinnen, aber irgendwann würde die Wendel reißen, da sie für derart hohe Temperaturen nicht gemacht ist.

Stark gedimmte Glülampe (1.500K)

Dieses Prinzip des „schwarzen Strahlers“ (die Glühwendel ist näherungsweise einer) ergibt nun die Zuordnung der Weißlicht-Farben zu den Kelvin-Werten. Auch bei Feuer lässt sich das Prinzip beobachten. Die heißesten Flammen sind die bläulichen (z.B. bei einem Gasbrenner), rötliche und gelbliche Flammen haben eine geringere Temperatur.

In einem Farbraum lassen sich die Farbtemperaturen als Kurvenzug abbilden.

Die Farbtafel zeigt alle existierenden Farben mit den entsättigten, weißen Farbtönen in der Mitte. Die einzelnen Farbtemperaturen des „weißen Lichtes“ bilden hier einen Kurvenzug (der schwarze Bogen, der von verschiedenen Geraden gekreuzt wird).

Würde man eine Glühlampe farblich vermessen und dabei dimmen, würde diese exakt auf dem Kurvenzug von etwa 3.000K bis 1.500K und darunter verlaufen.

Der Kurvenzug zeigt also alle rein weißen Farbtöne verschiedener Farbtemperaturen ohne Farbstich.

Farbraum CIE1931 mit allen Farben und dem Farbtemperatur-Kurvenzug

Welche Farbtemperaturen sind empfehlenswert?

Heutzutage sind Leuchtmittel – z.B. LED-Streifen – in allen erdenklichen Farbtemperaturen verfügbar und jeder kann nach Belieben mit verschiedensten Weißlichtarten experimentieren. Durch unzählige Untersuchungen haben sich aber bestimmte Wirkungen gezeigt, die einzelne Farbtemperaturen zumindest auf die meisten Menschen haben.

So wirken wärmere Farbtemperaturen um 3.000K und darunter eher beruhigend. Sie strahlen Gemütlichkeit und Behaglichkeit aus. Eine Assoziation zum Höhlenfeuer unserer Vorfahren ist sicherlich gegeben.

Kühlere Farbtemperaturen um 5.000K und darüber wirken eher aktivierend. Sie fördern die Konzentration und Aufmerksamkeit, können Müdigkeit entgegen wirken und ein generell kühleres Empfinden der Umgebungstemperatur hervor rufen.

Farbtemperatur im Wohnzimmer

Wohnzimmer werden i.d.R. mit warmen Farbtemperaturen (2.700 – 3.000K) beleuchtet. Dieser können besonders in den Abendstunden sehr zur Gemütlichkeit des Raumes beitragen.

Allerdings gibt es auch vermehrt Projekte, bei denen eher Neutralweiße Töne (4.000K) verwendet werden, was ein Wohnzimmer ggf. eleganter und moderner wirken lassen kann.

Farbtemperatur in der Küche

In einer Küche kann es sehr unterschiedliche Anforderungen geben. Wird die Küche eher als gemütlicher Raum des Zusammenkommens mit Essbereich gesehen, sind warme Farbtemperaturen (2.700 – 3.000K) zu empfehlen.

Ist die Küche eher Arbeitsbereich für die Essenszubereitung und / oder soll sie besonders modern wirken, sind auch neutrale Weißtöne (4.000K) nicht unüblich.

Farbtemperatur im Badezimmer

Beim Badezimmer ist es ähnlich wie in der Küche. Steht eher der gemütliche Aspekt im Vordergrund – z.B. mit einem ausgedehnten Vollbad – sind warme Farbtemperaturen (3.000K und darunter) zu empfehlen. Ist das Badezimmer eher der Ort, der einen früh Morgens auf den Tag vorbereiten und aktivieren soll, sind neutralweiße Töne (4.000K) besser geeignet.

Das Bad ist auch ein typischer Raum, bei dem Akzente mit Farbeffekten (RGBW) sinnvoll zur Geltung kommen können.

Farbtemperatur im Schlafzimmer

Schlafzimmer sollen i.a.R. Gemütlichkeit ausstrahlen. Warme Farbtemperaturen mit 2.700K und darunter sind zu bevorzugen.

Bei einem Schlafzimmer sind durchaus auch einmal extra-warmweiße Töne unter 2.500K überlegenswert, wenn man einen besonderen Eindruck von Behaglichkeit erreichen möchte.

Farbtemperatur im Arbeitszimmer / Homeoffice

Eine Beleuchtung im Arbeitszimmer sollte die Konzentration fördern und aktivierend wirken. Daher bieten sich hier vor allem neutralweiße Lichtfarben (4.000K) an.

Kaltweiß (6.000K) kann die Konzentration noch weiter fördern, aber gleichzeitig auch etwas kühl und abweisend wirken. Denkbar sind auch einstellbare Weißtöne, also tuneable White.

Generell sind die Präferenzen bei Farbtemperaturen auch kulturell und geografisch sehr unterschiedlich. So finden Sie in südlicheren, wärmeren Ländern z.B. häufig eine Präferenz für eher kühle Farbtemperaturen. Selbst Wohn- und Schlafräume können hier mit Kaltweißen 6.000K beleuchtet sein. Was auf uns ungemütlich wirkt, kann in diesen Breiten genau die richtige kühle Assoziation an unangenehm heißen Tagen hervor rufen. Wohn- und generell Innenräume werden dort vor allem auch auf der Suche nach Schatten und Abkühlung aufgesucht.

Einstellbare Farbtemperatur / Tuneable White

Welche Farbtemperatur im Wohnzimmer. Warmweiß, Neutralweiß, Kaltweiß.
Indirekte LED-Streifen Beleuchtung mit einstellbarer Farbtemperatur

In Räumen mit diversen Nutzungskonzepten bieten sich häufig LED-Streifen mit einstellbarer Farbtemperatur an. Diese werden unter verschiedensten Bezeichungen wie CCT, Tuneable White oder auch BiColor geführt.

Bei dieser Art LED-Streifen werden warmweiße und kaltweiße (manchmal auch extra-warmweiß und neutralweiß) auf einem LED-Band gemischt.

Spezielle Controller erlauben dann das flexible Verändern der Farbtemperatur und natürlich auch der Helligkeit.

Auch mit RGBW und RGB+CCT LED-Streifen lassen sich unterschiedliche Farbtemperaturen realisieren.

warm- und kaltweiße LEDs gemischt

Farbstich bei LEDs

Ein recht häufiges Problem bei LEDs sind Farbabweichungen bzw. sogenannte Farbstiche. Das Licht wirkt z.B. grünstichig oder auch irgendwie zu rosa. Die Ursache für diese Farbstiche liegt in der Produktionsweise von weißen LEDs.

Jede LED wird aus einem Waver gefertigt, wobei es bereits zu gewissen Toleranzen und Farbabweichungen kommt. Weiße LEDs basieren dabei immer auf ursprünglich blauen LED-Chips, die dann mit einem Phosphor überzogen werden, der das blaue Licht zu weißem Licht konvertiert. Bei diesem Aufbringen des Phosphors kommt es dann ebenfalls zu Abweichungen.

So entstehen weiße LEDs, die, anders als wir es von Glühlampen kannten, dann nicht ausnahmslos auf dem Farbbtemperatur-Kurvenzug liegen, sondern auch darüber oder darunter. Siehe dazu die nachfolgende Abbildung im CIE1931 Farbraum.

Diese Abweichungen nehmen wir als Farbstich wahr. Als Grünstich (wenn die LED über dem Kurvenzug liegt) oder als Rosa- oder Magenta-Stich (wenn die LED unter dem Kurvenzug liegt).

Kleine Abweichungen sind i.d.R. unbedeutend. Größere Abweichungen können aber sehr störend sein.

LED-Farborte abweichend vom Farbtemperatur-Kurvenzug

Wichtig ist hierbei auch die beachtliche Anpassungsfähigkeit des menschlichen Auges bzw. Gehirns. An kleine bis mittlere Farbstiche gewöhnen wir uns sehr schnell, so lange keine Vergleichslichtquelle vorhanden ist. Hat man aber verschiedene Leuchten im Raum und eine davon hat einen signifikanten Farbstich, wirkt dieser sehr schnell störend. Auch das Tageslicht, das durchs Fenster fällt, kann eine LED-Beleuchtung mit Farbstich schnell entlarven. Sehr deutliche Farbstiche empfinden wir selbst ohne Vergleichslichtquelle als störend.


ACHTUNG: Ein genereller Farbstich, der bei LEDs nicht selten ist, hat nicht zwingend etwas mit der Farbwiedergabe (CRI) bei LEDs zu tun. Häufig führt Halbwissen bei einigen zur Vermutung, dass eine LED nur eine hohe Farbwiedergabe haben muss, damit die Farben natürlich wirken. Das ist mitnichten so. Eine LED bzw. generell eine Lichtquelle kann einen hohen CRI haben und dabei dennoch einen störenden Farbstich aufweisen. Farbstich und Farbwiedergabe müssen getrennt betrachtet werden.


LED Binning

Um den herstellungsbedingten Farbabweichungen bei LEDs zu begegnen, sortieren die Hersteller die einzelnen LEDs, bevor diese zum Verkauf angeboten werden. Man spricht hier vom sogenannten Binning. Die produzierten LEDs werden dabei einzelnen Farbbereichen zugeordnet.

Nachfolgend eine solche Binning-Struktur vom LED-Hersteller CREE:

Die Bins sind die kleinen Kästchen die sich ober- und unterhalb des rot markierten Farbtemperatur-Kurvenzugs (BBL) anordnen. Im warmweißen Bereich (2.700 – 4.000K) sind die Bins deutlich kleiner als im kaltweißen Bereich (4.000 – 8.000K). Das liegt daran, dass das menschliche Auge Farbunterschiede bei höheren Farbtemperaturen weniger schnell bemerkt als bei warmweißen Tönen.

Möchte ein Produzent nun z.B. LED-Streifen mit diesen LEDs bestücken, kann er ein fest definierten Bin bestellen (z.B. „4C“) und erhält so LEDs, die alle eine sehr ähnliche Farbe aufweisen. Man mag fragen, welcher Produzent die Bins am Rand kauft (z.B. „4U“), die ja deutlich farbstichiger sind, aber es gibt genügend Anwendungen, bei denen ein exakter Farbort weniger wichtig ist. Straßenbeleuchtung oder Lichtanlagen in der Industrie gehören dazu.

Je enger ein Hersteller die LEDs selektieren kann und je zuverlässiger diese einzelnen Bins dann auch verfügbar sind, desto besser.

Selektion nach SDCM

Vor einigen Jahren hat sich ein Standard-Verfahren etabliert, nach dem LEDs selektiert werden. Wir sprechen hier vom Standard Deviation of Color Matching, kurz SDCM. Zu Deutsch etwa Standardabweichung der Farbanpassung.

Mit dem SDCM Verfahren lässt sich sehr schnell beurteilen, wie gut z.B. LEDs selektiert sind.

In der Grafik der LED-Bins sind hier mit farbigen Ovalen jeweils die Toleranzbereiche für SDCM<1, <3 und <5 eingetragen:

Was bedeuten diese Ovale und die einzelnen SDCM-Werte?

Das menschliche Auge hat eine gewisse Toleranz bezüglich Farbabweichungen. Durch zahlreiche wissenschaftlich Untersuchungen hat man herausgefunden, dass:

  • Farbabweichungen mit SDCM<1 von Menschen nicht wahrgenommen werden.
  • Farbabweichungen mit SDCM<3 zwar wahrgenommen aber i.d.R. toleriert werden.
  • Farbabweichungen mit SDCM>3 i.d.R. nicht mehr toleriert werden

Natürlich hängt diese Bewertung immer noch vom konkreten Einzelfall der Anwendung ab und kann bei verschiedenen Menschen auch voneinander abweichen. Mit dem SDCM-Verfahren haben wir aber nun eine gute Möglichkeit, ob z.B. eine LED-Selektion für unsere Anwendung ausreichend fein ist, so dass wir keine störenden Farbstiche bzw. Farbunterschiede erwarten müssen.

Welche SDCM-Selektion bieten LED-Streifen?

Je nach Qualitätsanspruch und natürlich auch Preis, können LED-Streifen mit verschieden genauen Selektionen erworben werden.

Ist gar nichts zur Selektion angegeben, sollten Sie hier keine großen Erwartungen haben.

Sowohl zwischen 2 LED-Streifen als auch innerhalb eines LED-Streifens können deutliche Farbunterschiede auftreten.

LED Binning
Binning-Unterschiede bei LED-Streifen

Als Standard für hochwertige LED-Streifen hat sich SDCM<3 etabliert. SDCM<3 bedeutet nicht, dass keinerlei Unterschiede zwischen z.B. 2 LED-Streifen zu erkennen sind, aber für typische Anwendungen (indirekte Beleuchtung, Lichtlinien usw.) ist diese Selektion gewöhnlich ausreichend. Vermeiden Sie es jedoch nach Möglichkeit, 2 LED-Streifen aus verschiedenen Chargen mit SDCM<3 auf einer Gerade aneinander stoßen zu lassen. Hier hätte man den direkten Vergleich nebeneinander und würde auch kleine Farbunterschiede ggf. wahrnehmen. Lassen Sie die beiden LED-Streifen an einer Ecke zusammenstoßen. Hier fallen kleine Unterschiede gewöhnlich nicht weiter auf.

Entsprechendes Budget vorausgesetzt, gibt es für besondere Anforderungen durchaus auch Anbieter, die nach SDCM<2 oder sogar <1 selektieren.

FAZIT

Die Wahl der Farbtemperatur ist ein sehr wichtiger Schritt bei der Auswahl eines LED-Streifens. Wählen Sie die Farbtemperatur passend zur Anwendung. Eher warmweiße Töne um 3.000 Kelvin und darunter für eine gemütliche Lichtstimmung, kühlere Töne um 4.000 Kelvin und mehr, wenn Sie eine konzentrierte Atmosphäre wünschen.

Achtem Sie zudem auf ein hochwertiges Binning der LED-Streifen mit min. SDCM<3, um Farbunterschiede zwischen den LEDs zu vermeiden. Damit das Licht keinen Farbstich in Richtung Grün oder Rosa aufweist, muss der Bin nah am Farbtemperatur-Kurvenzug liegen! Qualitätsanbieter können über diese Aspekte Auskunft geben und z.B. ein Messprotokoll des LED-Streifens bereit stellen.

Benötigte Helligkeit bei LED-Streifen

Eine der wichtigsten und zugleich schwierigsten Fragen bei der Planung einer LED-Installation ist die Frage nach der benötigten Helligkeit der LED-Streifen.



Wie wird die Helligkeit angegeben?

Wenn wir über Helligkeit sprechen, müssen wir mindestens 3 verschiedene Begriffe – präziser physikalische Größen – klar unterscheiden können. Ein großer Fehler von Anfängern ist es, diese 3 Größen miteinander zu vermischen, was dann zu völlig unsinnigen Vergleichen und Entscheidungen führt.

Die 3 wichtigen physikalischen Größen beim Licht sind:

  • Der Lichtstrom – gemessen in Lumen (kurz lm)
  • Die Lichtstärke – gemessen in Candela (kurz cd)
  • Die Beleuchtungsstärke – gemessen in Lux (kurz lx)

Wie hängen Lichtstrom, Lichtstärke und Beleuchtungsstärke zusammen?

Bei den meisten Leuchtmittel, seien es LED-Streifen, aber auch normale Leuchten und Lampen, ist die Helligkeit als Lichtstrom in Lumen angegeben. Wir können diese z.B. aus den technischen Daten bei einem Onlineshop für LED-Streifen entnehmen oder auch von einer Verpackung.

Was wir letztlich als Helligkeit im Raum wahrnehmen sind aber nicht Lumen sondern sind die unterschiedlichen Beleuchtungsstärken in Lux.

Wie hängt dies miteinander zusammen? 3 Bilder sollen es verdeutlichen:

E27 Lampe
LED-Streifen
LED-Spot

Wir haben hier 3 verschiedene Lichtquellen, eine klassische E27 Lampe, einen LED-Streifen und einen gerichteten LED-Spot. Wir können zur Vereinfachung annehmen, dass alle 3 Leuchtmittel den selben Lichtstrom von z.B. 500 Lumen erzeugen.

Der Lichtstrom, gemessen in Lumen, gibt also an, wie viel Licht eine Lichtquelle insgesamt abgibt. Unabhängig davon, wie stark das Licht gerichtet bzw. gebündelt ist. Der Lichtstrom ist alles Licht, was die Lichtquelle emittiert.

Die 3 Lichtquellen geben diesen Lichtstrom aber auf ganz unterschiedliche Art ab. Die E27-Lampe strahlt in alle Richtungen gleichmäßig viel Licht ab. Der LED-Streifen leuchtet schon deutlich mehr nach unten als zu den Seiten. Der LED-Spot schließlich lenkt fast sein gesamtes Licht direkt nach unten und fast nichts zur Seite.

Die Lichtstärke, gemessen in Candela, ist also das Licht, was eine Lichtquelle in eine definierte Richtung abstrahlt. Schauen wir bei den Beispielen, was die Lichtquellen jeweils direkt nach unten abstrahlen, so hat der LED-Spot hier eine viel höhere Lichtstärke als der LED-Streifen und die LED-Streifen wiederum eine viel höhere Lichtstärke als die E27 Lampe. Alles bei gleichem Lichtstrom, aber die Verteilung ist eben unterschiedlich gerichtet.

Aus der Lichtstärke ergibt sich, welche Helligkeit letztlich unten, z.B. auf dem Fußboden oder dem Schreibtisch ankommt.

Die Beleuchtungsstärke, gemessen in Lux, ist das Licht, was auf dem gewünschten Bereich ankommt. Also letztlich das, was uns interessiert. Wir wollen eine bestimmte Helligkeit auf dem Tisch oder auch eine bestimmte Helligkeit auf der Wand oder auf diesem Bild usw. Licht an sich ist nicht sichtbar. Es ist nur das sichtbar, was ausreichend hell von Licht angestrahlt wird.

Dabei ist es aber nicht zwangsläufig so, dass immer eng bündelnde Spots die richtige Wahl sind, nur weil diese die größte Lichtstärke haben. Das Licht der Spots beleuchtet dafür nur einen sehr kleinen Teil des Raumes wirklich hell, während LED-Streifen und die E27 Lampe das Licht in einen viel größeren Bereich abstrahlen.

Welche Helligkeiten gibt es bei LED-Streifen?

Verschaffen wir uns zuerst einen Überblick, welche Helligkeiten bei LED-Streifen typischerweise überhaupt verfügbar sind. Da LED-Streifen in definierten Längen verkauft werden, meist auf einer 5m-Rolle, aber auch 10m oder seltener 20m sind anzutreffen, wird die Helligkeit bei LED-Streifen stets in Lumen pro Meter (kurz lm/m) angegeben.

Es gibt eine große Bandbreite an Helligkeiten von LED-Streifen am Markt.

LED-Band warmweiß für Akzentbeleuchtung
LED-Band warmweiß, 10mm breit, 24V
LED-Streifen weiß & superhell

Angefangen bei LED-Steifen mit wenig Leistung und deutlich unter 1.000lm/m, dann sehr viele Vertreter im Bereich 1.000 – 2.000lm/m, bis zu Hochleistungs-LED-Streifen mit 3.000 oder gar 4.000lm/m.

Bei LED-Streifen mit veränderbarer Farbe oder Farbtemperatur, sprich Tuneable White LED-Streifen oder z.B. RGBW-LED-Streifen gilt es, sehr genau auf die Angaben zur Helligkeit zu achten. Hier sind ja jeweils mehrere LED-Typen verbaut und ein Anbieter kann die Helligkeiten für einzelne Farben / Farbtemperaturen angeben oder auch nur als Gesamtleistung.

Beispiel Tuneable White, also CCT:

Die Helligkeit ist im nachfolgenden Beispiel als Gesamtwert mit 1.400lm/m angegeben und dann aber noch einmal aufgeschlüsselt nach den lm/m für die warmweißen LEDs (600lm/m) und für die kaltweißen (800lm/m).

Die meisten LED-Controller realisieren eine „Balance-Steuerung“, bei der die warmweißen und kaltweißen LEDs immer im Verhältnis angesteuert werden, also z.B. 50+50% oder 70+30% usw. Niemals aber zeitgleich beide Farben mit 100%. D.h. die 1.400lm/m werden nie erreicht, sondern immer 600 – 800lm/m – unabhängig von der gewählten Farbtemperatur.

Anmerkung: Es gibt einige wenige LED-Controller (KNX, DALI, DMX z.B.), die auch 100+100% erlauben, so dass 1.400lm/m möglich wären. Allerdings wirklich nur bei einem mittleren Farbtemperatur-Wert, also neutralweißen 4.000K. Abweichend davon sinkt die Helligkeit sofort wieder, d.h. die Helligkeit ist jeweils abhängig von der gewählten Farbtemperatur. Da dies i.d.R. auch nicht gewünscht ist, werden auch die Controller dann im Setup meist auf „Balance Steuerung“ gesetzt.

Beispiel RGBW-LED-Streifen

Im nachfolgenden Beispiel ist einmal die Gesamthelligkeit mit 1.230lm/m angegeben und dann noch einmal separat für nur die weißen LEDs und die RGB-LEDs. In den technischen Daten des Anbieters werden die RGB-Farben noch weiter aufgeschlüsselt sein.

Bei RGBW sollte man stets genau überlegen, welche Einstellung der Farben realistisch und relevant ist. Möchte man das LED-Band auch für die Grundbeleuchtung des Raumes nutzen, wird man vorwiegend die weißen LEDs einsetzen. RGB ist für Effekte. Es sollte dann auch nur der angegebene Wert für die weißen LEDs für weitere Berechnungen genutzt werden.

RGBW-LED-Streifen

Anmerkung: Viele LED-Controller erlauben das gleichzeitige Vollaussteuern von RGB und Weißen LEDs. 4 x 100% und somit 1.230lm/m sind also möglich. Die Frage ist aber, ob dieses Licht weiter nützlich ist, denn die Mischung von RGB zu je 100% ergibt i.d.R. ein sehr unansehnliches, sehr kaltes, rosa-bläuliches Licht. Gemischt mit warmweißen LEDs wird es erträglicher, aber es bleibt ein sehr unnatürliches Licht.

Wie hell muss mein LED-Streifen sein?

Wie viel Lumen pro Meter (lm/m) sollte mein LED-Streifen nun mindestens haben? Diese Frage hängt (leider) von einer ganzen Reihe Faktoren ab.

  • Größe des Raumes, ggf. auch die Deckenhöhe
  • Benötigte Beleuchtungsstärke im Raum in Lux
  • Direkte oder indirekte Beleuchtung
  • Anzahl und Anordnung der LED-Streifen bzw. LED-Profile
  • Transmissionseigenschaften von z.B. milchig-opalen Aluprofil-Abdeckungen
  • Bei Indirekter Beleuchtung auch die Reflektionseigenschaften / Farbe von Decken und Wänden, sowie der gesamte Aufbau der Voute bzw. Abhängung, die Ausrichtung der LED-Streifen, Abstände zu Decken oder Wänden, eventuelle Sichtkanten usw.

Was i.a.R. nicht funktioniert, sind simple Faustregeln wie „300 Lumen pro Quadratmeter“, d.h. ich habe einen Raum mit z.B. 30m², verbaue da LED-Streifen mit gesamt 9.000 Lumen und habe die richtige Helligkeit gewählt.

So einfach ist es leider nicht. Derartige Faustregeln kommen aus der Standardbeleuchtung größerer Räume, also z.B. von Büros mit gleichmäßiger Rasterdecke, Schulungsräumen u.ä. und auch hier gilt es, weitere Faktoren, wie z.B. die Anordnung der Leuchten sowie deren Lichtverteilung usw. zu beachten.

Schauen wir uns die Faktoren im Einzelnen an:

Größe des Raumes

Die Größe des Raumes ist in einer Faustformel wie „300 Lumen pro Quadratmeter“ bereits enthalten. Auch wenn wir die sehr begrenzte Nutzbarkeit derartiger Faustformeln bereits beschrieben haben, ist es dennoch natürlich sinnvoll, den Gesamtlichtstrom der Beleuchtung immer ins Verhältnis zur Raumgröße zu setzen. Je kleiner ein Raum ist, desto mehr kommen Lichtreflektionen an den Wänden zum Tragen – voraus gesetzt die Wände sind ausreichend hell und reflektieren viel Licht. Ein kleiner Raum (<20m² z.B.) benötigt also auch im Verhältnis etwas weniger Lichtstrom als ein großer.

Benötigte Beleuchtungsstärke im Raum

Wir müssen nicht jeden Raum so hell wie ein typisches Büro beleuchten. Hier einmal ein paar typische gesetzliche Mindestanforderungen für Beleuchtungsstärken in Räumen:

  • 300 Lux (auf dem Schreibtisch 500 Lux)
  • Kindergärten, Klassenzimmer: 300 Lux
  • Konferenzräume: 500 Lux
  • Flure, Durchgangsräume, Treppen: 100 – 200 Lux

Von diesen Werten kann es je nach konkreter Aufgabe des Raumes Abweichungen geben. Ein Schreibtisch in einem Büro für technisches Zeichnen z.B. benötigt deutlich mehr als 500 Lux!

Für Privaträume gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Sie können Ihr Wohnzimmer auch mit nur 20 Lux beleuchten, wenn Ihnen das genügt. Es empfiehlt sich aber, allein schon zum Schutz der Augen und allgemein der Gesundheit, sich an den oben genannten Vorgaben zumindest zu orientieren.

Dies sind typische Werte, die wir bei der Planung privater Räume nutzen:

  • Arbeitszimmer: 300 Lux
  • Wohnzimmer: 150 Lux
  • Küche: 200 Lux
  • Kinderzimmer: 200 Lux
  • Badezimmer: 150 Lux
  • Flure: 100 Lux

Je nach Projekt und konkreter Nutzung der Räume weichen wir natürlich auch mal von diesen Werten ab. Ältere Menschen benötigen z.B. im Schnitt eine höhere Beleuchtungsstärke als Jüngere.

Direkte oder indirekte Beleuchtung

Dies ist eine der wichtigsten Unterscheidungen in der Beleuchtung überhaupt mit sehr großem Einfluss auf die Wahl der richtigen Leuchtmittel und Helligkeiten. Ist es eine direkte oder indirekte Beleuchtung?

Bei der direkten Beleuchtung beleuchten die LEDs den Raum direkt ohne Umwege – typischerweise von der Decke des Raumes mehr oder weniger senkrecht nach unten.

Bei der indirekten Beleuchtung trifft das Licht der LEDs zuerst auf Reflektionsflächen im Raum, typischerweise die Decken und Wände. Nur dieses i.a.R. sehr weich reflektierte Licht wird dann für die Beleuchtung des Raumes genutzt.

Alle klassischen LED-Spots, LED-Panels, die meisten Deckenleuchten und auch Hänge- oder Stehleuchten erzeugen eine direkte Beleuchtung. Auch in die Decke eingelassene Aluprofile mit LED-Streifen erzeugen eine direkte Beleuchtung. Klassische indirekte Beleuchtung wird hingegen mit versteckt auf Vouten, Stuckleisten oder Deckenabhängungen montierten LED-Streifen realisiert.

Es gibt auch Mischformen. So kann z.B. eine Hängeleuchte einen Teil ihres Lichtes direkt nach unten in den Raum strahlen und ein anderer Teil leuchtet nach oben und wird von der Zimmerdecke reflektiert.

Anzahl und Anordnung der LED-Streifen

Natürlich ist die Anzahl der verbauten LED-Streifen, typischerweise gemessen in Meter, ganz entscheidend. Daher betrachten wir den benötigten Gesamtlichtstrom – z.B. ermittelt mit einer Faustformel oder Lichtsimulation – und teilen diesen dann einfach durch die geplante Anzahl an LED-Streifen in Meter. Mit dieser Angabe können wir das richtige LED-Band mit der Angabe Lumen pro Meter (lm/m) auswählen.

Aber auch die generelle Anordnung der LEDs ist sehr wichtig. Nachfolgend ein Beispiel mit einer sehr gleichmäßigen Helligkeit durch umlaufend realisierte indirekte Beleuchtung und ein sehr ungleichmäßige Lichtverteilung, bedingt durch ein versetzt angeordnetes Aluprofil als Deckenleuchte:

Gleichmäßige indirekte Beleuchtung
Ungleichmäßige direkte Beleuchtung

Im zweiten Beispiel wird nur die obere Raumhälfte ausreichend hell beleuchtet. Ist es z.B. bautechnisch nicht möglich, im unteren Bereich LED-Profile zu ergänzen, muss das obere LED-Profil deutlich heller ausgelegt werden. Es genügen dann nicht z.B. über simple Faustformeln ermittelte Werte sondern es wird deutlich mehr Licht benötigt. Es hängt aber auch immer von der Nutzung des Raumes ab.

Lichtdurchlässigkeit von Aluprofil-Abdeckungen

Keinesfalls darf vergessen werden, die entsprechenden lichtschluckenden Eigenschaften von Profil-Abdeckungen mit in die Überlegungen einzubeziehen.

Bei direkter Beleuchtung wird man fast immer Aluprofile mit milchig-opalen Abdeckungen wählen, den kaum jemand möchte direkt die LED-Streifen mit den ultrahellen LED-Punkten im Sichtfeld haben.

Opale Abdeckungen schlucken einiges an Licht. I.d.R. müssen Sie mit 30 – 50% Verlust rechnen. Je nach Typ und Anbieter.

Opale Abdeckung mit div. LED-Dichten

Auch transparente und satinierte (frozen) Abdeckungen schlucken einiges an Licht. Bei transparenten können Sie mit 5-10% rechnen. Bei Satinierten mit 10-20%. Schauen Sie jeweils genau auf die Angaben der Anbieter / Online-Shops.

Indirekte Beleuchtung: Weitere Faktoren

Bei indirekter Beleuchtung – also der Raumbeleuchtung über versteckte LED-Streifen und Reflektion über Wände und Decken – ist das Ganze noch einmal deutlich komplexer.

Zu den oben bereits genannten Faktoren kommt hier noch der gesamte Aufbau der Lichtlösung sowie die Ausrichtung der LEDs. Auch die Reflektionseigenschaften von Wänden und Decken spielen hier eine viel entscheidendere Rolle als bei direkter Beleuchtung.

So ist es z.B. schon ein großer Unterschied, ob die indirekte Beleuchtung „nach Innen“, z.B. mit Vouten realisiert ist, oder ob Sie „nach Außen“, z.B. über eine Deckenabhängung mit Schattenfugen aufgebaut wurde.

Indirekte Beleuchtung „nach Innen“
Indirekte Beleuchtung „nach Außen“

Bei der Beleuchtung „nach Innen“ haben wir gewöhnlich 1 Reflektionsfläche – die Decke, bei der Beleuchtung „nach Außen“ meistens 2. Zuerst strahlt das Licht an die Decke, von dort dann an die Wand und erst danach in den Raum. Rückt man die LEDs generell näher an die Wand, kann ggf. die Decke als erste Reflektionsfläche weitgehend eingespart werden, aber es wird dann auch relativ viel Licht zurück in die Schattenfuge geworfen. Man hat eine sogenannte „Lichtfalle“ gebaut.

Nur zur Seite an die Wand leuchten möchte man meist auch nicht, den oft sind dort auch höhere Regale, Schränke oder Bilder, die man nicht unbedingt partiell mit anstrahlen möchte.

Auch bei der indirekten Beleuchtung „nach Innen“ – also über Vouten – kann schnell eine „Lichtfalle“ entstehen.

Problem sind hier z.B. zu hohe Sichtkanten.

Sichtkanten werden oft benötigt, da natürlich die LEDs und ggf. auch Netzteile und Steuergeräte versteckt sein sollen. Hohe Sichtkanten blockieren aber ggf. sehr viel Licht.

Lichtvoute mit hoher Sichtkante

Die Ausrichtung der LEDs muss bei indirekter Beleuchtung generell sehr präzise und überlegt erfolgen, möchte man gleichzeitig einen überzeugenden, weichen Lichteffekt und dennoch hohe Helligkeit erreichen.

Die lichtschluckenden Eigenschaften der Reflektionsflächen, also Wände und Decken, werden auch regelmäßig deutlich unterschätzt. So ist es ein riesiger Unterschied, ob wir indirekt gegen eine weiße Decke leuchten oder z.B. gegen einen Dachstuhl aus Holz. Holz kann, je nach Art und Lasierung 40%, 60% oder noch mehr Anteile des Lichtes einfach schlucken. Weiterhin verändert es die Lichtfarbe, was bei der Auswahl der richtigen Farbtemperatur der LEDs natürlich berücksichtigt werden muss.

Fazit & Faustformel

Die benötigte Helligkeit bei LED-Streifen hängt von sehr vielen Faktoren ab und lässt sich kaum bis gar nicht pauschal mit einfachen Faustregeln bestimmen.

Hierbei muss man noch einmal klar zwischen direkter und indirekter Beleuchtung unterscheiden.

Direkte Beleuchtung

Bei klassischer direkter Beleuchtung, also wenn LED-Streifen von der Decke direkt nach unten in den Raum strahlen, kann man am ehesten noch mit Näherungsformeln arbeiten. Vorrausgesetzt der Raum ist nicht zu schmal (wenigstens 3m breit) und die Anordnung der LED-Streifen ist gleichmäßig verteilt, kann man grob mit folgender Formel arbeiten:

Berechnungsbeispiel:

Haben Sie z.B. ein Wohnzimmer mit 30m² und möchten darin eine Beleuchtungsstärke von 150 Lux (in der Nutzebene) erreichen, so sollte Ihre direkte Beleuchtungslösung min. 9.000 Lumen erzeugen. Hierbei muss natürlich noch der potentielle Lichtverlust durch Aluprofil-Abdeckungen bedacht werden. Haben die milchig-opalen Abdeckungen z.B. eine Lichttransmission von 65%, dann rechnen Sie noch 9.000 Lumen / 0,65 und kommen auf ca. 14.000 Lumen, die LED-Streifen insgesamt erzeugen müssen.

Haben Sie eher schmale Räume (Flur z.B. wo die Reflektion der Wände eine viel größere Rolle spielt) oder ist die Verteilung der Lichtquellen eher ungleichmäßig, kommen Sie mit dieser Formel allerdings nicht weiter.

Indirekte Beleuchtung

Indirekte Beleuchtung ist wesentlich komplexer und benötigt einiges mehr an Lichtstrom als direkte Beleuchtung. Wie viel mehr an Lichtstrom ist von sehr vielen Faktoren abhängig, wie weiter oben geschildert. Fehler im Aufbau und der Ausrichtung der LEDs können Ihre indirekte Beleuchtung extrem ineffizient machen, so dass dann selbst die hellsten am Markt verfügbaren LED-Streifen nicht mehr helfen.

Noch mehr als bei direkter Beleuchtung empfiehlt sich also bei indirekter Beleuchtung eine ernsthafte Lichtplanung oder zumindest eine Lichtsimulation, die den erdachten Aufbau einmal in 3D durchrechnet.

Auf unserer Themenseite www.indirekte-beleuchtung.com geben wir viele weitere Tips zum Aufbau einer indirekten Beleuchtung.

Lichtplanung / Lichtsimulation

Beleuchtungslösungen für komplette Räume sind nichts, was man nach dem Prinzip „Trial & Error“ durchführen sollte. Dafür sind Kosten und Aufwand eventueller notwendiger Rück- und Umbauten viel zu hoch.

Ein Angebot für eine professionelle Lichtplanung oder eine Lichtsimulation erhalten Sie unter diesem Link:

IP67 LED-Streifen

Wasserdichte LED-Streifen

Für bestimmte Anwendungsfälle ist es notwendig, den LED-Streifen wasserdicht auszulegen. Wasser, also z.B. Regen oder auch Schnee können die Bauteile auf einem LED-Band beschädigen und sehr schnell zu einem Kurzschluss führen, der dann auch den LED-Controller zerstört.


INHALT:


Typische Einsatzorte für wasserdichte LED-Streifen sind:

  • Bäder und andere Feuchträume im Haus
  • Außenanwendungen, z.B. im Garten, bei Einfahrten, Gehwegen usw.
  • Balkon & Terasse, wenn diese nicht (ausreichend) überdacht sind
  • Innen- und Außenpools
  • Aquarien u.ä.
Typischer Einsatzort für wasserdichte LED-Streifen

Die IP-Schutzart

Der Schutz gegen Wasser und allgemein Feuchtigkeit wird über die IP-Schutzart angegeben.

Es heißt im übrigen wirklich nur IP-Schutzart und nicht IP-Schutzklasse, denn mit Schutzklassen werden die Maßnahmen gegen einen elektrischen Stromschlag eingeordnet, nicht die gegen Feuchtigkeit.

Die IP-Schutzart wird immer mit 2 Ziffern angegeben, wobei nur die 2. Ziffer relevant für das Eindringen von Feuchtigkeit ist. Die erste Ziffer beschreibt den Schutz gegen das Eindringen mit Festkörpern, also z.B. ob man mit einem Finger oder Schraubendreher an empfindliche Bauteile gelangen kann.

LED-Streifen sind mit verschiedenen IP-Schutzarten erhältlich:

Schutzart IP54
RGBW LED-Band mit IP67 Wasserschutz
Schutzart IP67
Schutzart IP68

Es interessiert uns hier, wie gesagt, nur die 2. Ziffer, in den 3 Beispielen also eine 4, eine 7 und eine 8.

Nachfolgende Übersicht zeigt die Unterschiede der einzelnen Ziffern und damit verbundenen Schutzarten:

  • IPx0 – kein Schutz
  • IPx1 – Schutz gegen Tropfwasser
  • IPx2 – Schutz gegen fallendes Tropfwasser, wenn das Gehäuse bis zu 15° geneigt ist
  • IPx3 – Schutz gegen fallendes Sprühwasser bis 60° gegen die Senkrechte (z.B. Regen)
  • IPx4 – Schutz gegen allseitiges Spritzwasser
  • IPx5 – Schutz gegen Strahlwasser (Düse) aus beliebigem Winkel (z.B. Dusche)
  • IPx6 – Schutz gegen starkes Strahlwasser (z.B. auf hoher See)
  • IPx7 – Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen
  • IPx8 – Schutz gegen dauerndes Untertauchen. Soweit keine andere Angabe erfolgt, besteht ein Schutz bis 1 Meter Wassertiefe.
  • IPx9 – Schutz vor Hochdruck- und Dampfstrahlreinigern

Mit der Schutzart IP68 ausgestattet LED-Streifen erlauben also z.B. sogar einen dauerhaften Einsatz unter Wasser, z.B. in einem Pool. Erst das ist als wirklich komplett wasserdicht zu bezeichnen. Alle darunter liegenden Schutzarten sind nicht wirklich wasserdicht im Sinne des Wortes, sondern bieten einen mehr oder weniger ausgeprägten Schutz vor z.B. Regen, Spritzwasser oder Strahlwasser.

LED-Streifen ohne besonderen Schutz vor Feuchtigkeit werden als IP20 eingeordnet. Dies trifft auf die meisten LED-Bänder zu, denn die Mehrzahl der Anwendungen benötigt ja keinen expliziten Schutz vor Feuchtigkeit.

Wo benötige ich welche IP-Schutzart?

Je nach Einsatzort werden unterschiedlich starke IP-Schutzarten benötigt. Folgende Grafik zeigt die (gesetzlichen) Anforderungen an die IP-Schutzart in einem Badezimmer:

IP-Schutzarten im Bad

Wir sehen, dass direkt in den Nassbereichen, also in der Wanne und der Dusche IP67 (ausgelegt für zeitweiliges Untertauchen) gefordert ist. Direkt über diesen Bereichen ist noch IP65 gefordert (Schutz gegen Strahlwasser). Um diese Bereiche herum ist in einer Zone von 60cm Breite noch IP44 gefordert (Schutz gegen Spritzwasser) und außerhalb davon ist gar keine spezifische Schutzart mehr angegeben. Es genügt also hier IPx0.

Anzumerken ist auch, das überall bei Installationshöhen >2,25m IPx0 ebenso genügt. Dies gilt auch für die Bereiche über Wanne und Dusche. D.h. bei typischen Deckeninstallationen in einem Bad, z.B. einer indirekten Beleuchtung mit LED-Streifen genügen einfache LED-Streifen ohne speziellen Feuchtschutz absolut.

Ähnliche Grafiken oder Übersichten lassen sich auch für Außenbereiche und weitere Anwendungsfälle finden. Häufig ist es so, dass gar nicht überall ein höherer IP-Schutz gefordert ist, wo man es landläufig annehmen würde. Dachvorsprünge u.ä. sind ein gutes Beispiel. Auch hier genügt gewöhnlich IP20.

Nachteile von wasserdichten LED-Streifen

Generell empfiehlt es sich, nur dort LED-Streifen mit höherer IP-Schutzart einzusetzen, wo es zwingend notwendig ist. Warum?

Wasserdichte bzw. feuchtigkeitsgeschützte LED-Streifen haben gegenüber normalen LED-Streifen in IP20 einige Nachteile. Ursache hierfür ist der speziellen Silikonschutz dieser Streifen.

Verkürzte Lebensdauer

Typische feuchtigkeitsgeschützte LED-Streifen haben eine Art Silikonummantelung oder einen Silikonschlauch. Dieser hält die Feuchtigkeit ab, aber er behindert zugleich die so wichtige Wärmeableitung der LEDs.

Die LEDs heizen sich durch Eigenwärme verstärkt auf und verlieren so an Helligkeit und Lebensdauer.

IP67 LED-Streifen
LED-Streifen im Silikonschlauch (IP67)

Wichtig:

Auch LED-Streifen mit höherem IP-Schutz sollten trotz des Silikons stets in Aluprofilen montiert werden. Das Silikon blockiert einen Teil der Wärmeableitung, aber dennoch können die Aluprofile einiges an Wärme aufnehmen. Ohne Aluprofil würde die Lebensdauer noch weiter verkürzt werden.

Schwierigere Installation

LED-Streifen werden typischerweise auf 5m Rollen, seltener 10m Rollen gehandelt. Bei fast jeder Installation wird man daher LED-Streifen kürzen, ggf. neue Anschlusskabel oder Eckverbindungen löten müssen usw.

All dies ist bei einem IP20-LED-Streifen ohne Silikon natürlich deutlich einfacher als bei den Varianten mit Silikonmantel oder Silikonschlauch. Hier muss zuerst das Silikon entfernt werden, damit man an die Lötkontakte heran kommt. Bei den Varianten mit Silikonschlauch (siehe Foto oben) ist dies noch mit vertretbarem Aufwand durchführbar, da die LED-Bänder frei im Schlauch liegen.

Varianten mit festem Silikonüberzug (meist IP54) lassen sich fast gar nicht konfektionieren. Es ist extrem aufwendig, hier das Silikon von den Lötpads herunter zu bekommen, damit das Lot auch hält.

Kalte Lötstellen sind die Regel und nicht die Ausnahme.

LED-Streifen mit Silikonüberzug (IP54)

Beide Varianten müssen nachher auch wieder wasserfest verschlossen werden, wofür passende Silikonendkappen und Silikonkleber (unbedingt acetatfrei!) zum Einsatz kommen.

In Summe muss bei einer Installation mit LED-Streifen im Silikonschlauch locker der 3 – 5 fache Zeitaufwand im Vergleich zur IP20-Variante eingeplant werden. Bei Streifen mit Silikonüberzug (IP54) dauert es min. 10 mal so lang oder geht auch gar nicht.

Silikon-Endkappe für Silikonschläuche (IP67)

Vergilben des Silikons

Vergilbendes Silikon ist insbesondere bei billigeren wasserdichten LED-Streifen ein häufiges Problem. Mit der Zeit lagern sich z.B. Dämpfe in die obere Silikonschicht ein und lassen diese vergilben. Häufig geschieht dies auch unregelmäßig, so dass der LED-Streifen fleckig wird und irgendwann eigentlich nur noch ausgetauscht werden kann.

Vergilbender Silikonüberzug bei IP54-LED-Streifen

Es hilft hier, auf Qualität zu setzen. Hochwertige LED-Streifen verarbeiten besseres Silikon, dass, wenn überhaupt, nur sehr langsam vergilbt.

FAZIT

Es gibt mittlerweile alle erdenklichen Typen von LED-Streifen auch in wasserdichten bzw. feuchtigkeitsgeschützten Varianten. Prüfen Sie bei jeder Anwendung, welche IP-Schutzart Sie wirklich benötigen und ob nicht eventuell ein LED-Band ohne speziellen Schutz (IP20) vollkommen ausreichend ist.

LED-Streifen mit höherer IP-Schutzart haben einige Nachteile, wie z.B. eine verkürzte Lebensdauer und einen deutlich höheren Aufwand bei der Installation.

Geht es Ihnen rein um den Schutz der LEDs, montieren Sie ein normales IP20-LED-Band ohne Silikon in einem geeigneten Aluprofil mit Abdeckung. Dies bietet eine optimale Wärmeableitung und schützt sie LEDs sicher vor Staub und Schmutz.

LED Aluprofil

„Inoffizielle“ Methode für wasserfeste LED-Streifen

Es gibt noch eine nicht ganz offizielle Methode jeden normalem IP20-LED-Streifen einen gewissen Schutz vor Wasser und Feuchtigkeit zu geben.

Mit einem Schutzlack „Plastik70 Super“ kann man das LED-Band einsprühen. Der Lack legt sich über das Band und alle Komponenten und verleiht dem Ganzen einen brauchbaren Schutz.

Plastik70 Super erhält man in Sprühdosen zu 400ml, was für viele Meter LED-Band locker reichen sollte.

Die Variante Plastik70 Super ist dem normalen Plastik70 vorzuziehen, da normales Plastik70 nur bis 60°C eingesetzt werden kann. Bei hellen LED-Streifen können 60°C durchaus schnell überschritten sein. Plastik70 Super lässt sich bis 125°C verwenden.

Dieser Tip ist ohne jede Gewähr! Wir selbst haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht, auch in der Langzeit. Es ist selbst nach Jahren im Einsatz keine Beeinträchtigung der LEDs (Veränderung der Farbe, Dunkle Stellen o.ä.) festzustellen.

Folgendes Bild ist aus einem unserer Tests mit Plastik70 Super im Dauerregen: