Es ist allgemein bekannt, dass LEDs eine sehr lange Lebensdauer haben und z.B. viel seltener getauscht werden müssen als klassische Glühlampen. Zahlreiche Anbieter am Markt werden daher gern mit Lebensdauerangaben von 30.000, 50.000 oder gar 100.000 Stunden bei ihren LED-Streifen.

Um es klar zu sagen: Diese Angaben sind allesamt komplett unseriös und widersinnig!

Warum?

Klar ist, dass keiner diese riesigen Zeitangaben tatsächlich 1 zu 1 gemessen hat. 50.000h würde einem Testlauf von 6 Jahren bei 24h-Betrieb entsprechen. In 6 Jahren ist die getestete LED aber längst überholt und nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Angaben werden daher aus verkürzten Tests bei erhöhter Umgebungstemperatur extrapoliert. So weit, so legitim. Eine andere Möglichkeit gibt es auch nicht.

Was beschreiben diese 50.000h aber genau?

Der Kunde ohne weitere Fachkenntnis geht bei einer solchen Angabe sicher davon aus, dass nach 50.000h das LED-Band noch in einer annehmbaren Helligkeit leuchtet. Dem ist jedoch nicht so. Zu einer professionellen Lebensdauerangabe gehört die Information, welcher Helligkeitsrückgang zu erwarten ist.

Angabe von L- und B-Wert

Über die sogenannten L- und B-Werte wird die Lebensdauerangabe genauer beschrieben. Häufig ist die Bewertung mit L70/B50, also z.B. in der Form „50.000h, L70/B50“. Was heißt das?

Zu Beginn leuchten die LEDs mit der im Datenblatt angegebenen Helligkeit, also z.B. 100 Lumen pro LED:

Zu Beginn der Lebensdauer leuchten alle LEDs mit 100%.

L ist der Wert für den Helligkeitsrückgang. Im Beispiel wird also nach 50.000h mit einem Helligkeitsrückgang auf 70% gerechnet. Hatte die LED ursprünglich eine Helligkeit von 100 Lumen, sind es jetzt noch 70 Lumen. Der B-Wert beschreibt, wie viele LEDs statistisch unter diese Helligkeit fallen werden. D.h. im konkreten Beispiel, dass die noch 70 Lumen nur für die Hälfte der LEDs erwartet werden. Die andere Hälfte kann noch dunkler sein, z.B. 50 Lumen oder auch nur 10 Lumen.

L70/B50: Nur 5 von 10 LEDs erreichen die Mindesthelligkeit von 70%

Eine Bewertung nach L70/B50 ist für die meisten Kunden also vollkommen wertlos, da die Hälfte der LEDs nach der angegebenen Stundenzahl überhaupt keine definierte Helligkeit mehr haben. Eventuell glimmen diese nur noch vor sich hin und wie viel die übrigen 50% mit zumindest noch 70% Helligkeit dann noch bringen, ist mehr als fraglich.

Im professionellen Bereich gibt es natürlich noch deutlich höherwertige Angaben. Als Beispiel eine sehr anspruchsvolle Bewertung nach L90/B10. Dies bedeutet, dass nach der angegebenen Lebensdauer immerhin noch 90% der Anfangshelligkeit erreicht werden und nur 10% der LEDs darunter liegen. Also von 10 LEDs mit einer Anfangshelligkeit von 100 Lumen werden 9 dann noch zumindest 90 Lumen aufweisen. Das ist schon sehr gut.

L90/B10: 9 von 10 LEDs erreichen die Mindesthelligkeit von 90%

Eventuell finden Sie irgendwo einen LED-Streifen, der nach L90/B10 bewertet ist

Allerdings gibt es leider ein ganz generelles Problem mit der L/B-Bewertung.

Die Ausfallrate C

Was passiert, wenn in der angegebenen Zeit (z.B. 50.000h) LEDs komplett ausfallen? Wird die beim B-Wert mit berücksichtigt? Die Antwort ist Nein. Ausgefallene LEDs werden bei der L/B-Bewertung komplett ignoriert. D.h. in einem extrem unglücklichen Fall könnte eine LED-Band mit einer Lebensdauerangabe von „50.000h, L70/B50“ auch so aussehen:

L50/B50, wobei 8 LEDs komplett ausgefallen sind

Noch 1 von 10 LEDs schafft die 70% Helligkeit, eine weitere liegt darunter und die restlichen 8 sind ausgefallen.

Dieser Umstand macht die Angabe über L/B-Wertet bei LED-Bändern nun vollends unbrauchbar. Wenn ausgefallene LEDs einfach ignoriert werden, ist eine Lebensdauerangabe ohne jede Relevanz.

In der Lichtindustrie wird die Ausfallrate separat über den Wert C angegeben. Ein C10 z.B. bedeutet, dass nach der angegebenen Stundenzahl max. 10% der LEDs ausgefallen sind. Über den Helligkeitsrückgang sagt der Wert C dabei nichts aus. Es werden nur Total-Ausfälle gezählt. D.h. nur die Kombination Von L, B und C-Wert machen bei der Anwendung von LED-Streifen Sinn. Z.B. in der Form „20.000h, L90/B10, C10“.

Die korrekte Angabe der Lebensdauer

Um das Ganze etwas zu vereinfachen, gibt es glücklicherweise auch eine Angabe, die Helligkeitsrückgang und Totalausfall zusammen bewertet. Der F-Wert berücksichtigt wie der B-Wert die LEDs, die eine gegebene Mindesthelligkeit nicht mehr erreichen UND schließt dabei auch Totalausfälle mit ein.

D.h. mit einer Angabe wie z.B. „30.000h, L70/F30“ ist zumindest gewährleistet, dass 7 von 10 LEDs nach den 30.000h noch mit wenigstens 70% der Anfangshelligkeit leuchten. Die übrigen 3 LEDs können dunkler oder komplett ausgefallen sein, aber für zumindest 7 von 10 LEDs gibt es eine klare Aussage:

L70/F30: Für zumindest 7 von 10 LEDs existiert eine klare Aussage

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass eine Lebensdauerangabe ohne Zusatz, also einfach nur „50.000h“ keinerlei Aussagekraft hat. Eine Angabe wie „50.000h L70/B50“ hat ebenso keine für die Praxis relevante Aussage, wenn nichts zur Ausfallrate C gesagt wird.

Einzig eine Angabe mit F-Wert, wie „L70/F30“ o.ä. kann für eine sinnvolle Abschätzung der Lebensdauer herangezogen werden.

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